Projekt

Zur Entstehungsgeschichte dieses Gedenkortes

Am 2. Juli 2020 fasste die Stadtverordnetenversammlung der Landeshauptstadt Wiesbaden den Beschluss, im Foyer des Rathauses einen vom renommierten Frankfurter Künstler Vollrad Kutscher eingereichten Gestaltungsentwurf für eine zeitgemäße Form der Erinnerung an den von Wiesbadener Bürgerinnen und Bürgern geleisteten antinazistischen Widerstand zu realisieren. Zuvor schon hatten der 2014 gebildete, von Wolfgang Nickel, dem damaligen Stadtverordnetenvorsteher, geleitete Arbeitskreis „Gedenkstätten“ und der Ältestenausschuss positive Voten hierzu abgegeben.

Gedenkinstallation

Das Kunstwerk ist mit einem PC-Terminal und einer zusätzlichen Internetpräsentation ausgestattet. So können die historiographisch-politischen Informationen in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, aber auch zu Hause abgerufen werden.

Der Obertitel der Präsentation „Für Demokratie“, ein Vorschlag Kutschers, war von allen Beteiligten befürwortet worden. Der Künstler hatte sich bereits 2019 gemeinsam mit dem Webdesigner Horst Ziegenfusz zur ästhetischen Gestaltung des Projektes bereit erklärt.

Die Idee, unter Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten an diesem exponierten Ort eine Gedenkstätte für Wiesbadener NS-Gegnerinnen und -Gegner zu schaffen, war bereits 2012 von den beiden Widerstandsforschern Dr. Rolf Faber und Dr. Axel Ulrich dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller unterbreitet worden. Sie hatten zugesichert, die ersten Beiträge selbst zu erstellen und zu illustrieren. Später könnte weiteres von ihnen oder auch von anderen Autorinnen und Autoren erstelltes biographisches Material in diese PC-Anlage eingegeben werden. Jene Anregungen waren von Dr. Müller positiv aufgenommen worden.

2016 hatten die Leiterin des Hauptamtes Heike Zieren-Hesse, der Leiter des Amtes der Stadtverordnetenversammlung Dr. Jörn Heimlich und Dr. Axel Ulrich vom Stadtarchiv die ersten 14 biographischen Beiträge für diesen Gedenkort festgelegt. Dies wurde vom Arbeitskreis, dem damaligen Oberbürgermeister Sven Gerich und der seinerzeitigen Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel zustimmend zur Kenntnis genommen. Es handelt sich hierbei um Persönlichkeiten, die sich entweder während der Weimarer Republik oder später in der Bundesrepublik Deutschland für die Demokratie engagiert haben, mitunter auch um solche, die im „Dritten Reich“ von ihren vorherigen Positionen abgerückt sind und fortan demokratischem Denken und Handeln Geltung verschaffen wollten. So werden hier u. a. ein General und zwei Juristen vorgestellt, eine frühere Reichstagsabgeordnete, ein Gymnasial- und ein Volksschullehrer, mehrere Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen, ein Verkäufer, auch ein einstiger Polizeidirektor, ein Buchhalter, ein Kommunalbeamter, eine Fürsorgesachbearbeiterin, ferner einige frühere bzw. nachmalige Stadtverordnete sowie Stadträte und ein späterer Wiesbadener Oberbürgermeister und Präsident des Hessischen Landtags.

Während diese ersten 14 Biographien (Kurz- sowie Langversionen) von Dr. Ulrich und Dr. Faber verfasst wurden, hat Vollrad Kutscher die nach Fotovorlagen freihand gezeichneten Porträts für die Basispräsentation der Gedenkinstallation fertig gestellt. Zudem wurden von Georg Habs vom Multimedia-Archiv im Stadtarchiv alle sonstigen Illustrationen eingescannt und sofern erforderlich graphisch optimiert. Hierbei sind sämtliche Bildquellen mit knappen Bildunterzeilen und präzisen Herkunftsnachweisen versehen worden.

Foyer Rathaus Wiesbaden Der Bildschirm mit den Informationen ist eingebettet in eine farbig gestaltete Glasfläche. Die darin zu findenden Jahreszahlen beziehen sich auf die Geschichte des Rathauses, eines Ortes der Demokratie selbst. Sie wird in den Grundmauern und den Putzschichten des Rathauses ablesbar, die wir frei gelegt haben, als Orientierung für die Farbbänder.

1884 wurde der Bau errichtet, die Grundmauern bestehen aus Granit, weil das Rathaus im Quellgebiet errichtet wurde. In der untersten Malereischicht, gehalten in den Farben des Granits, befindet sich ein Fragment des historischen Grundrisses.

1887 erhielt der Bau die erste Putzschicht.

1945 wurde das Rathaus großenteils zerbombt, graue Rauchspuren waren auf der Farbschicht zu finden. Bildfragmente der Zerstörung befinden sich rechts in Höhe des Bildschirmes.

1951 wurde das Rathaus im Stil der 50er Jahre wieder aufgebaut und ergänzt. In der auf diese Farbschicht bezogenen Fläche befindet sich eine entsprechende Ansichtszeichnung.

1989 wurde der Bau renoviert und mit gebrochenen weissen Farbschichten versehen.

Im hellen Feld darüber befindet sich die Leuchtschrift sowie darüber eine blaue Fläche, die einen Bezug dieses Ortes der Demokratie mit den Wiesbadener Personen des Widerstandes in der Vergangenheit gegen die Nazidiktatur, in die Gegenwart und die Zukunft andeutet.

Nachdem bis dahin eine schrittweise Präsentationsfolge des bereits vorliegenden biographischen Materials vorgesehen war, wurde auf Anregung Kutschers zu guter Letzt vereinbart, dieses gleich vollständig zur feierlichen Übergabe des Gedenkortes an die Wiesbadener Bürgerschaft am 20. Juli 2021 in den PC einzugeben. Diese Veranstaltung mit Ansprachen von Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, von Vollrad Kutscher, Dr. Rolf Faber und Dr. Axel Ulrich wurde am 20. Juli 2021 als Livestream übertragen. Dieses Video wie auch die Inhalte der Gedenkinstallation sind seither online abrufbar, und zwar auf der Website https://fuer-demokratie-33-45-wiesbaden.de/

Die Gedenkinstallation "FÜR DEMOKRATIE – Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger im Widerstand gegen das NS-Regime" wurde am 20. Juli im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus der Bürgerschaft übergeben.

Gedenkinstallation Foyer Rathaus Wiesbaden